Montag, 14. März 2011

Lost in Radiation

wird Japan etwas an unserer Atommeilerstrategie ändern?
Die Beschwichtigungsindustrie, ein mittlerweile bedeutender Zweig der Medienindustrie, wird das verhindern.

Siehe WeWi-Krise. (Dem beschwichtigten Mittelstand wurde vorsoglich ein Ventil zum Ablass von Restwutbeständen zur Hand gegeben: Prekariats-Bashing - wie es in Neon so schön heißt.)

Unbeschwichtbare dagegen finden ihre Post-WeiWi-Katharsis in der Lektüre von Saskia Sassen. Naomi Klein oder eben Elfriede Jelinek - "Winterreise".

Als Übersetzerin einer Private Equity, die Schulden beladene Immobilien verwertete, erlebte ich, wie Text zur Hure von schön frisierten Zahlen wurde. Dem Text wird jegliches Recht auf innewohnender Kohärenz abgesprochen und er wird jeglicher Logik entbunden, um nur noch als Tünche für abenteuerliche Zahlengerüste zu dienen, also letztlich: der blanken Gier.

Die Befreiung jener Sprache aus dem Serail der niederen Dienste an der Zahlenlust und der Gier wiederum verdanke ich persönlich - wem sonst - der großartigen, gerissenen El. In der Winterreise wird den Bankern ihr Jargon in surreal-entblödeten Textspiralen entrissen, herausgeführt und wieder in die Freiheit entführt. Die Texthure ist ihrem Zuhälter entkommen und hat auf den Brettern der Kammerspiele München ihre triumphalen Freiheitstanz aufgeführt. Die Bankerpaschas müssen ohne sie auskommen.

Jetzt wird die Beschwichtigungsindustrie die Sprache zur Hure der Atommeilerpaschas machen.
Damit wir alle einsehen, dass es einfach nicht geht. Ohne Atomstrom.


Heidi 2.o meint: Die Zahlen sprechen doch für sich!

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