Donnerstag, 20. Dezember 2007

Stars im Goldenen Käfig

Der Streik der Screenwriters Guild in Amerika wirft Licht auf ein eigenartigen Widerspruch, der den Gesetzen des Unterhaltungsbetriebs innewohnt.

Entertainer und Stars sind gefangen in einem Goldenen Käfig, in dem sie oft hungern und keiner glaubt es..

Diese Käfig aus Gold, der Neid, Bewunderung und mythische Überhöhung schürt, gehört zum Kapital, zum Brand-Wert eines Stars.

Wer schürt mit? Die Producer, Regisseure, PR-Agenten, TV und Kinoketten; Vermarktungs- und Verwertungsgesellschaften und die Stars selbst. Ein aberwitzig komplexes Zusammenspiel von Interessen; aber allen Machtkämpfen wird das Eine untergeordnet: Der Bekanntheitsgrad der zu verwertenden Performer.

Performer werden zur Marke, profitieren davon und jeder ist glücklich. Das ist die einfache Version. Aber...was geschieht mit den weniger berühmten Darstellern des Filmgeschäfts?
Gnadenlos werden auch sie als priviligierte Bewohner des Goldenen Käfigs porträtiert.
Dabei erleben sie wenig Gold und viel Käfig. Der hängt schön oben und ist weit sichtbar.
Überhöht also....Aber das mit der Futterration stimmt nicht mehr ganz. Trotzdem, der Vogel hat schön zu singen und strahlendes Glück zu mimen.

Torpediert solch ein Vogel die überhöhte Rolle mit schnödem Gekrähe nach mehr Körnern, so macht dies den eigenen Marktwert kaputt. Und Vögelchen kriegt bald gar keine Körner mehr. Schlimmer noch, man glaubt es ja nicht wirklich. Wer Glanz und Glamour abstrahlt und dennoch jammert, wird zur Prinzessin auf der Erbse.

Screenwriter sind ein bedeutender Faktor des gut geölten Systems, das Performer überhöht. Und wenn sie mit ihrem Streik, der die gesamte U.S.-amerikanische Gute-Laune-Kulturlandschaft à la „uns geht’s zwar nicht mehr blendend, aber unseren Humor haben wir nicht verloren“ seiner Wort-Kleider beraubt, befreit sie damit auch die Singvögelchen im Goldenen Käfig; denn wenn den Stars plötzlich die gute Laune-Worte fehlen, die - nun ist es raus - von den Hacks (ja, das Wort Hacker kam erst später, Hacks, so nennen sich Leute, die verfilmbare Texte schreiben) verfasst werden, so demontiert dies die Überhöhung der darstellenden, oft bitterarmen Zunft, glaubwürdig und ohne Einzelnen zu schaden.

Unterhaltung ist eben keine geheimnisvolle Kunst, die „aus dem genialen Moment schöpft“ - - sondern eine in höchstem Maße rationale arbeitsteilige Verwertungskette, bei der jeder Augenblick der Kreativabschöpfung für Volkes Kitzel stimmen muss. Das Endprodukt der Kette ist eine Illusion, so vollendet, tief greifend und angenehm, dass das Menschliche in den Schauspielern nie ungestraft stören darf. Man verzeiht es nicht.

Aber wenn nun das Menschliche der schreibenden Zunft den Störenfried gibt? Das sollte gelingen.

Heidi 2.o meint: „ ----------------? --------------------!“ (Heidis Gag-Texterin streikt in Unterstützung der Guild.)

Gisela Strauss

Mittwoch, 5. Dezember 2007